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Für den größten Teil der etwas mehr als 250 Jahre, in denen moderne Zoos existieren, wurden Tiere in allen Zoos weltweit vor allem direkt aus der Wildbahn entnommen. Das bedeutete, sie wurden in den Habitaten in denen sie geboren, oder in die sie migriert waren, durch Jäger gefangen, um dann ausgestellt zu werden.
Die Jäger waren lokale Amateure oder Profis oder aber auch speziell ausgesandte Jäger, die entweder von einer Firma bezahlt wurden oder auf eigene Rechnung die Tiere fingen und sie dann anboten.
Auch Museumspräparate wurden entweder zunächst gefangen oder getötet. Wenn sie nicht mit Büchse oder Bogen aus der Entfernung geschossen wurden, wurden diese Tiere in Fallen gefangen und dann zumeist vor Ort so getötet, dass die Tötung möglichst wenige Spuren an dem Fell, Gefieder, der Haut oder dem Skelet hinterließ. Auf die Akquise von Museumspräparaten wird im Abschnitt "Sammeln" Collecting Specimen noch stärker eingegangen werden.
Einheimische Tiere konnten von Jägern selbst gefangen oder aber von anderen gekauft und über kürzere Distanzen transportiert werden. Anders war das mit den Tieren, die in Europa als Exoten galten, also Tieren aus anderen Kontinenten und Klimazonen. Ihre Ausstellung in Europa ist eng mit der Entwicklung eines Welthandels verknüpft, die unter den Bedingungen europäischer Hegemonie und europäischen Imperialismus verlief. Seine Wurzeln gehen einige Jahrhunderte zurück. Viele der ersten in Europa in den sogenannten Wandermenagerien oder den fürstlichen Menagerien ausgestellten Tiere waren 'Einzelfänge'. 'Exotische' Tiere wurden in den Herkunftsregionen von lokalen Herrschern als Statussymbole geschätzt und Europäern verkauft oder geschenkt.[1] Mehr dazu kann in der story zu Tieren oder Tierobjekten als Geschenke gelesen werden. [[story.Gifting Objects] Die beiden Elefantenbullen "Rostom" und "Omar" waren Geschenke des Prince of Wales und späteren König Edwar VII. für seinen Neffen kaiser Wilhelm II. 1881 aus dem britisch beherrschten Indien.
Die beiden asiatischen Elefantenbullen "Rostom" und "Omar", um 1885. "Rostom" hatte untypischerweise keine Stoßzähne. (AZGB)
Auch Matrosen, Kapitäne und reisende Händler brachten Gelegenheitskäufe aus außereuropäischen Gebieten auf der Rückfahrt in die Häfen West- und Südeuropas mit und verkauften sie dort. Naturgemäß waren es eher kleine 'transportfähige' Tiere, die auf diese Weise ihren Weg nach Europa fanden. Papageien und Körner fressende Vögel, verschiedene Meerkatzenarten und Affenarten, kleinere Raubtiere und Säugetiere, die als Jungtiere gefangen und an Menschen gewöhnt worden waren, boten sich hier an. Es handelte sich um Tiere, deren Pflege wenig anspruchsfoll war und in Teilzeit über Monate an Bord eines Schiffes geleistet werden konnte. Das Spektrum der Arten war also zwangsläufig eingeschränkt und zumeist handelte es sich um Einzeltiere. [2]
Große Säugetiere blieben lange Zeit die Domäne der Staatsgeschenke. Das wachsende Interesse führte erst später zu organisiertem Fang. Zunächst waren die exotischsten Tiere oft noch 'Beifang' geografischer oder naturkundlicher Expeditionen. Nach und nach entwickelten sich Handelsagenturen, die mit Hilfe lokaler Agenten und Akteure Tiere auf Bestellung fingen oder Transporte begehrter Tiere zusammenstellten.
Zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich mit der steigenden Zahl von Zoos ein neues Geschäftsfeld - der professionelle Handel mit exotischen Tieren. Wieviele Tiere auf dem langen Seeweg starben, geschlachtet wurden oder als das Futter ausging über Bord geworfen wurden, bleibt unbekannt. Es ist aber anzunehmen, dass der mögliche Verdienst im Heimathafen bei steigender Nachfrage das Interesse an der Erhaltung und Pflege der Ware Tier erhöhte. In den Häfen entstanden nun auch 'Lager' oder Verkaufsstellen, in denen die ankommenden Tiere verkauft wurden. Frühe Beispiele finden sich in London und Amsterdam, regelrecht berühmt und zu einer regelmäßigen Veranstaltung wurden dann die 'Vente publique' der Societe Royale d'Anvers in Antwerpen. Hier wurden jährlich für zwei Tage Auktionen mit den Tieren abgehalten, zu denen die Direktoren der europäischen Zoos kamen um die Angebote zu prüfen und Tiere für ihre Zoos zu erwerben.[3]
Dass diese Verkaufsstellen in den Häfen und die Auktionen immer gut 'gefüllt' waren, hing eng mit der europäischen kolonialen Expansion zusammen. Denn bei der Jagd nach Tieren, ihrem Transport nach Europa und der anschließenden Ausstellung wirkten die hierarchische Strukturen des Kolonialismus. Oft genug entnahmen die kolonialen Herrscher und Beamten direkt ein Tier, um es zu verschenkten. Das wird beim Wissmann-Lion Wissmann-Löwen für den Berliner Zoo der Fall gewesen sein. Dieser wurde ihm durch den Gouverneur von Deutsch-Ost-Afrika Hermann Wissmann Hermann Wissmann geschenkt. Wissmann hatte zunächst Expeditionen auf dem afrikanischen Kontinent vorgenommen und dann die Ausbeutung des Kongo durch den belgischen König mit vorbereitet.
_Der sogenannte Wissmann-Löwe aus der deutschen Kolonie 'Deutsch-Ostafrika', um 1900.
Zwischen etwa 1890 und 1914 kamen jedes Jahr regelmäßig Geschenke aus den deutschen Kolonien in den Berliner Zoo. Natürlich profitierten alle Zoos der Kolonialstaaten von der leichten Ausbeutbarkeit der jeweiligen Kolonien. Hinzu kommt aber, dass durch die koloniale Besatzung insgesamt eine Situation geschaffen worden war, die es auch beispielsweise deutschen Tierhandelshäusern leicht möglich machte, die Fauna in Afrika, Asien und Ozeanien für europäische Zoos auszubeuten. Die besetzten und durch Kolonialbeamte verwalteten Landstriche und ihre Bevölkerung besaßen keinerlei Autonomie über die Nutzung der eigenen Ressourcen. Oft wurden lokale Bevölkerungen durch Jagdbestimmungen der Kolonialverwaltungen unter dem Vorzeichen des Naturschutzes der Nutzung der Ressourcen beraubt. Den Tierhandelshäusern wurden aber Lizenzen vergeben. Der Aufbau einer kolonialen Infrastruktur erleichterte den Handelshäusern zudem den Transport von erjagten Tieren und die Kommunkiation mit Auftraggebern. Wirtschaftliche Hierarchien und Machtverhältnisse vor Ort sorgten zudem dafür, dass Tierhändlern und Tierfängern vor Ort ein Reservoir von Arbeitskräften für die schweren Aufgaben und die eigentlichen Jagdexpeditionen zur Verfügung stand.[4]
Es ist wichtig, sich in Erinnerung zu rufen, dass die Fänger bei einigen in Herden lebenden und gefährlichen Säugetieren, Herdenmitglieder oder Muttertiere für den Fang von Jungtieren töteten, um gefahrlos an die begehrten Jungtiere zu kommen. Tierhändler hatten in der Regel Interesse an Jungtieren, da deren zu erwartende längere Lebensdauer einen höheren Preis erzielen würden. Auch waren jüngere und damit kleinere Tiere besser zu transportieren. Oft erwarteten die Händler und die Zoodirektoren, dass mit der Flasche aufgezogene oder zumindest im Kontakt mit Menschen aufwachsende Tiere leichter zu pflegen sein würden im Zwangssystem eines Zoos.
Eine wesentliches Hindernis der Tierhändler aber auch aller Akteure, die Tiere aus den Ursprungsgebieten nach Europa brachten war die Gefahr, dass diese auf dem Transport sterben könnten. Wir haben keine akkuraten Zahlen über die Verluste, können aber davon ausgehen, dass diese insbesondere zu beginn noch groß waren. Die gefangenen Tiere mussten an Ort und Stelle mittels Käfigen, Gehegen, Grupen oder Schlingen und Ketten zunächst fixiert und gefangen gehalten werden, bis die Expedition beendet oder die gewünschte Anzahl Tiere gesammelt wurde.
Auch konnte es vorkommen, dass die Strapazen langer Transporte zum schnellen Tod des Tieres im Zoo selbst führten. Eine Meldung des Zoologischen Gartens an das Naturkundemuseum zu Tierkadavern, die man übergeben hatte zeigt dieses.
Lutz Heck an H. Pohle, 07.06.1934. (MfN HBSB S004-02-05 Nr. 97)
Zwei der vier aufgeführten Tiere waren erst kurz zuvor von Tierhändlern geliefert worden.
Carl Georg Schillings, selbst Jäger und Tierfänger, schilderte 1905 die Lage:
"Es ist bis dato noch nicht gelungen Fauna Afrikas nach Europa zu transportieren - nur aus dem Somaliland hat Menges regelmäßige Transporte; auch neue Infrastrukturen und Eisenbahnen nicht geholfen; alleine die Kuhherden für die Milch am Leben zu halten ist fast unmögliches Unterfangen; er schießt dann das Muttertier; er lässt das Jungtier nachts marschienen der Hitze wegen; in Neapel nimmt es Ludwig Heck entgegen."[5]
"Although some animals came to zoological parks through donations, trades, or loans, zoos could not have come into existence, and their collections could not have taken the shape that they did, without a commercial trade in wild animals that provided a reliable supply of polar bears in San Antonio, for example, prairie dogs in Philadelphia, or zebra in Denver. Without animal trade few zoos could have displayed more than deer and birds - they would never have become 'real' zoos with elephants."[6]
"The international traffic in wild animals, perhaps the only area of colonial trade that was dominated by Germans, created an imprtant context for the emergence of Hagenbeck's ethnographic enterprise."[7]
So beschrieb es Eric Ames in seinem Bericht über die Entwicklung des Geschäftes der über Jahrzehnte den internationalen Tierfang dominierenden Firma von Carl Hagenbeck. Und in der Tat waren es Hagenbeck und andere Firmen, die ,lange bevor das Deutsche Reich eigene Kolonien eroberte, bereits in den Kolonialreichen der Briten, Franzosen, Niederländer und Belgier afrikanische und asiatische Tiere für den internationalen Handel fingen. 1864 verband sich Hagenbeck im britisch beherrschten Sudan mit dem österreichischen Tierfänger Lorenzo Casanova. Dieser baute für Hagenbeck eine Fangstation bei Kassala - auf halbem Weg zwischen Khartum und der Küste des Roten Meeres. Auch nach dessen Tod behielt Hagenbeck dieses Model bei und engagierte feste 'Agenten' und Fänger wie den oben von C. G. Schillings erwähnten Joseph Menges. Dieser beschrieb die in Kassala vorherrschende Arbeitsteilung in der Form, dass der (weiße) Händler in Kassala recht komfortabel lebe und die lokalen Arbeiter die Tiere bis vor die "Haustür" brächten.[8] Selten oder nie waren die Händler oder 'Fänger' selber aktiv, wie bei fossilien Ausgrabungen verließen sie sich auf ein Heer von Arbeiter*innen aus der lokalen Bevölkerung oder nomadisch lebender Jäger. Die verrichteten in der Regel die physische Arbeit des Fangens und auch der Pflege im Sammel- oder Fanglager. Auch begleiteten sie die Transporte bis zu den Häfen und einige manchmal darüber hinaus bis an das Bestimmungsziel. In den Erinnerungen der Händler oder Tierfänger haben sie selten oder nie Namen, ihre Arbeit wird nicht wertgeschätzt. Bilder von ihnen gibt es selten und wenn es sie gibt, dann sind es auch hier oft anonyme Trägerkarawanen.[9] Colonial Imagery Lutz Heck's Catching Expeditions
Auch die Firmen Reiche und Ruhe aus Alfeld waren bestimmende Größen im internationalen Tierhandel. Die Firma Ruhe betrieb bei Dire Daua im heutigen Äthiopien und und bei Nizza Sammel- und Akklimatisationsstationen. Über Nizza kam auch der Gorilla "Bobby" Bobby life nach Berlin.[10]
Das sich das Geschäft mit dem Tierfang und Handel sehr lohnte lag unter anderem am Zustand der Tiergärten selbst. Mangelndes tiermedizinisches und ethologisches Wissen führten in den oft viel zu kleinen Gehegen zu ständigen und großen Verlusten in den Zoopopulationen. Kaum ein Tier das auch nur annähernd sein angeborenes Verhalten zeigen konnte, die Nahrung war oft grundfalsch. So wurden gar fleischfressenden Tieren nur vegetarische Nahrung gegeben, Herbivore erhielten hingegen auch schon mal Fleisch.[11] Zucht war nicht möglich, da manchmal nur einzelne Individuen einer Art gehalten wurden und vielleicht auch gar nicht nötig, denn es gab ja ständigen Nachschub durch den Tierhandel. Die Lebenszeit von Zootieren war in der Regel kurz.
Einzelne Zoos unternahmen zu Beginn des 20. Jahrhunderts eigene Fangexpeditionen. Insbesondere amerikanische Zoos begannen diesen Trend.[12] Der Assistent am Zoo Berlin und Direktor des Aquariums, Oskar Heinroth, fuhr regelmäßig in eine Forschungsstation an der Adria, um dort Tiere für sein Aquarium mitzunehmen. Insbesondere das Aquarium verwendete lange Zeit Wildfänge Animals Caught in the Wild. Der spätere Direktor des Zoologischen Gartens Berlin Lutz Heck (1892-1983) war seit 1924 bei seinem Vater, dem Berliner Zoodirektor Ludwig Heck als Assistent angestellt.
1925 fuhr er zusammen mit dem Raubtierpfleger Petrus Olesen nach Abyssinia um dort afrikanische Wildtiere zu fangen. Dabei begleiteten ihn auch ein Produzent und ein Kameramann der DEFA. Der aus der Expedition hervorgegangene Film strotzte in der Darstellung der Bevölkerung Ostafrikas vor rassistischen und aus der Kolonialzeit übernommenen Stereotypen. 1927/28 fuhr er in das Gebiet des heutigen Tansania um Giraffen zu fangen.
Transport zwei gefangener junger Giraffen, 1928. (AZGB, Foto Lutz Heck)
Die ehemalige deutsche Kolonie Deutsch-Ost-Afrika war zu diesem Zeitpunkt den Briten unterstellt. Beide Male begleitete ihn der Tierpfleger Petrus Olesen. Mehr ist in der story zu seinen Expeditionen zu erfahren Lutz Heck's Catching Expeditions
Aber nicht nur Tierfänger und Zoodirektoren und ihre lokalen Helfer*innen fingen Tiere in der Wildnis". Während des Ersten und Zweiten Weltkrieges haben Truppenverbände der Reichswehr und der Wehrmacht Tiere in den eroberten Gebieten Europas gefangen und dem Zoologischen Garten der Reichshauptstadt übergeben.
Im Winter 1939 begab sich Lutz Heck in das gerade eroberte Warschau. Dort teilte er wohl im Auftrag des Reichsforstmeisters Hermann Göring dem Warschauer Zoodirektor Jan Zabinski mit, dass der Zoo geschlossen sei. Wertvolle Schautiere, darunter einen Elefanten, stahl Heck für deutsche Zoos. Die restlichen Tiere wurden getötet.[13] Der Geschäftsbericht des Zoos vermerkte nur lakonisch, dass Tiere aus Warschau "zu treuen Händen" in den Zoo gekommen seien.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lag Berlin in Trümmern, ein Kauf 'wilder', 'exotischer' Tiere kam zunächst nicht in Frage. Die Jagd musste also auf heimischem Boden stattfinden. Die Zoodirektorin der Jahres des Wiederaufbaus, Katharina Heinroth bezog nicht nur Tiere aus einem aufgelösten Zirkus, sie bekam zum 'Füllen' der leeren Gehege einheimische Tiere, gefangen in den Wäldern in und um Berlin. Native and Exotic
Erst zur Mitte der 1950er Jahre wurde der internationale Tierhandel noch einmal ein florierendes Geschäft. Zwar erreichten die Handelsfirmen Hagenbeck und Ruhe das lange Jahrzehnte bestehende quasi-Monopol im Tierhandel nicht mehr, aber noch lohnte es sich.Die kriegszerstörten Tiergärten in Europa 'füllten' ihre leeren Gehege wieder auf.[14]
Noch waren viele Regierungen bereit, Fanglizenzen zu vergeben. Die Zoodirektorin Katharina Heinroth flog 1955 nach Borneo und Sumatra. Es handelte sich dabei nicht um eine klassische Fangfahrt, Heinroth hatte zuvor von Privatleuten Angebote bekommen und bei lokalen Behörden um die Fanger- und Ausfuhrerlaubnisse laubnisse angesucht. Sie kam vor allem, um die Tiere in der Wildbahn zu sehen und dann Exemplare auszusuchen und auf dem Transport in den Berliner Zoo zu begleiten. Katharina Heinroth opferte dafür ihren Urlaub und brachte einen kleinen Tiertransport mit nach Berlin.[15]
Katharina Heinroth bei ihrer Rückkehr mit dem Rhesusaffen "Putzi" auf der Schulter, 1955. (AZGB)
Für die Besucher*innen waren die beiden männlichen Orang-Utan-Jungtiere "Bubi" und "Nakal" sicher die große Attraktion dieser Fangreise. Es ist nicht überliefert, wie die Bekannten katharina Heinroths an diese an Menschen gewöhnten Jungtiere gekommen waren. Im Zoo selbst wurden sie, wie damals üblich im Nahkontakt mit den Pfleger*innen gehalten und bermenschlichende Aufnahmen wie diese mit einem 'Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel' gehörten zu den Verkaufsschlagern unter den Postkarten.
Postkarte des Zoo Berlin mit den beiden Orang-Utans "Bubi" und "Nakal", 1959.
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1963 fuhr der Berliner Zoodirektor Heinz-Georg Klös in den Hluhluwe-Umfolozi-Park in Südafrika, um ein Paar Südliche Breitmaulnashörner zu fangen und in den Zoologischen Garten Berlin zu bringen. Die Fangerlaubnis hatte er zuvor durch die südafrikanischen Behörden erhalten. Schon 1957 hatte sich Klös in Südafrika um eine Fangerlaubnis bemüht aber keine bekommen. 1962 meldeten sich die naturschutzbehörden in der Provinz Natal und gestatteten den Fang. Der Preis der beiden Nashörner wurde als Werbemaßnahme von der Firma 'Leineweber', einem Bekleidungshaus, bezahlt.[16]
Breitmaulnashörner "Hlambamans" und "Kuababa" im Zoo Berlin, 1964 (AZGB, Foto Kleinschmidt)
Auch gab es in jenen Jahren noch etwas, was man 'Gelegenheitskäufe' nennen könnte. Der Frankfurter Zoodirektor und spätere Fernsehpersönlichkeit Bernhard Grzimek berichtete, dass er mit seinem Sohn am Ende einer Reise durch Guinea, Sierra Leone, Elfenbeinküste und Liberia Mitte der 1950er Jahre zwei Schimpansen angeboten bekam. Obwohl er nicht auf einer Tierhandels- Tierfangreise befand, kaufte er die beiden Tiere und liess sie durch seinen Sohn nach Frankfurt begleiten.[17]
Im neu eröffneten Tierpark in Ost-Berlin konnte man sich die 'Waren' dieses Handelsgeschäfts mit wildgefangenen Tieren aber nicht leisten. Devisenmangel und allgemeiner Ressourcenmangel machte dem riesigen neuen Berliner Zoo zu schaffen. Zwar hatte es wohlwollende Geschenke anderer Zoos der DDR und auch der Bundesrepublik gegeben, 'exotische' Tiere, die die Besucher*innen erwarteten waren aber noch nur wenige vorhanden. Dennoch musste Heinrich Dathe nicht ganz auf sie verzichten.
Im Juli 1956 empfing der vietnamesische Staatschef Ho Chi Minh in Hanoi eine Delegation des Solidaritätsausschusses der DDR für Korea und Vietnam und des Nationalrates der Nationalen Front, der Zwangsorganisation unter der sich die zugelassenen, sogenannten Blockparteien mit der SED zusammenschließen mussten. Der Delegation sollten vietnamesische Tiere als Staatsgeschenk übereignet werden, der Transport war aber noch nicht fertig vorbereitet, bevor die Delegation das Land wieder verließ.[18] Die vietnameischen 'Freunde' hatten Bären, Pythonschlangen, Affen und gar einen Tiger fangen lassen, die im Hafen von Hanoi auf den Abtransport warteten.
Was nun folgte war ein über ein Jahr dauerndes Drama um die Tiere. Die noch junge DDR fand kein eigenes Schiff, welches zeitnah die Region anlaufen würde. Tiere des Transports starben daraufhin in Hanoi. Das Stadtkomitee der Vaterländischen Front in Hanoi hatte gar einen Elefanten "beschafft", dieser überstand den Winter 1956/57 aber nicht nicht. daraufhin bemühte sich die vietnamesische Seite einen weiteren zu fangen. Man fragte aber, ob denn wenigstens die Hirsche und Affen, die bereitstünden, schon vorher transportiert werden könnten.[19] Immer wieder wurden Schiffstransporte avisiert und wieder abgesagt, die Listen der bereitgestellten Tiere, die die Botschaft der DDR in Hanoi meldete, änderte sich ständig. Als letztlich ein polnisches Schiff, die Tiere in die DDR brachte waren mindestens ein Elefant, einige Raubkatzen und Affen, sowie Huftiere verstorben. dennoch wurde der 'Vietnamesische Tiertransport' für den Tierpark ein großer Werbeerfolg, was sicher auch an dem Elefantenkalb "Kosko" lag.
"Kosko" rennt mit begeisterten Kindern um die Wette, 1958. (Tierpark Berlin, Foto Zimmer)
Letztlich in heutigem Verständnis war dieser Erfolg zu dem hohem Preis des Todes der 'Wildfänge' erlangt worden.
Mit dem enormen Aufschwung, den der Tierhandel in den 1950er Jahren durch den Wiederaufbau auch der kriegszerstörten deutschen Zoos nahm, ergaben sich nach Ansicht der Behörden allerdings auch neue Probleme. Viele der nun nach Europa und Deutschland importierten Tiere kamen nun nicht mehr nach langem Transit auf Schiffen an, sondern wurden, was für die Tiere sicher besser war, mit dem Flugzeug verschickt. So wurde die Zeit in beengten Transportkisten minimiert, allerdings wurde die Gefahr des Einschleppens von Tierseuchen aus den Ursprungsgebieten möglicherweise erhöht. Eine Lösungsmöglichkeit in der Diskussion zwischen bundesdeutschen Behörden und den Zoos war die Einrichtung von Quarantäneställen in den Zoos selbst oder in bei den Händlern. Bernhard Grzimek lehnte letzteres rundheraus für die deutschen Zoos ab, da er die Gefahr sah, dass so die Händler ein absolutes Monopol auf den Import von Widltieren habbekämen en und die Zoos keine Möglichkeit mehr hätten, selbst Tiere zu fangen oder fangen zu lassen. Die Zoodirektoren schlossen sich dem bei ihrer Verbandssitzung an und vertraten die Ansicht, dass es keinen Regelelungsbedarf gab und die vorhandenen Vorschriften ausreichen würden. Es wäre in den vergangenen Jahren zu keinem Seuchenausbruch durch Zootiere gekommen.[20]
Allerdings zeigten sich nun auch Brüche, die von einem möglichen Ende des Tierhandels kündeten. Bereits auf den Tagungen der Internationalen Union der Zoodirektoren World Association of Zoos and Aquariums 1958 und 1959 wurden durch die Zoodirektoren auf aussterbende Arten hingewiesen. Tierparkdirektor Heinrich Dathe berichtete vom Panda und Silver Pheasant, Bernhard Grzimek engagierte sich Anfang der 1960er für einen Importstopp von Gorillas. Mehr dazu in der Story Zoos and Conservation. Hinzu kam, dass die Tiermedizin neue Erkenntnisse sammelte und diese auch von den Verantwortlichen in den Zoos rezipiert wurde. Antibiotika, und Kreislaufmittel kamen zur Anwendung und insbesondere neue Kenntnisse zur Ernährung sowie wachsende Gehegegrößen bewirkten längere Lebensdauern von Tieren in menschlicher Obhut. Zwar hieß es noch 1983 unter Berufung auf den Zoo in Philadelphia:
"Although one might assume that our nutritional knowledge of captive animals is complete because of our long history of captive animal efforts, 60 to 70% of the animals dying in captivity die because of poor mnagement and husbandry , with nearly 25% dying from nutritional problems."[21]
Aber insgesamt verlängerten sich nicht nur die Lebensdauern in Zoos, die gehaltenen Tiere vermehrten sich auch durch Nachzuchten. Eine zwar nach heutigem Verständnis ungeeignete neue Form der Zooarchitektur, die 'Badezimmerarchitektur' der gefließten Ställe hielt Einzug. Gefließte Innenställe ließen sich leicht reinigen und beseitigten damit den Einfluss von Bakterien und Glasfronten verhinderten, zum Beispiel, dass sich Menschenaffen an den menschlichen Besuchern mit Keimen ansteckten oder ungeeignetes Futter verabricht wurde. Mehr dazu sowohl bei Zoo Architecture als auch Feeding und fütternVerboten.
Das Raubtierhaus des Berliner Zoos war nur ein Beispiel für die 'Badezimmerarchitektur, 1973. (AZGB)
Seit den 1960er Jahren sind zunehmend Züchtungen Breeding Animals for the Zoo, also in Zoos gezeugte Nachkommen, an die Stelle der Wildfänge [Wildfang) getreten. Heute werden im Rahmen des Artenschutzes werden von Zoos in der Regel keine Individuen gefährdeter Arten mehr aus der Natur entnommen. Das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora (kurz CITES) beendete letztlich den Fang von Tieren in ihren Lebensräumen für Zoos weitgehend.
@mareike deine Schildkröten aus den 1950ern?
Wertvolle Hinweise auf die geschichte des Tierhandels findet sich: Dittrich, Lothar. 2002. „Vom Souvenir zum Handelsobjekt. Handel und Import fremdländischer Tiere“. In Menagerie des Kaisers - Zoo der Wiener. 250 Jahre Tiergarten Schönbrunn, herausgegeben von Mitchell G. Ash und Lothar Dittrich, 331–43. Wien: Pichler und ders.: 2007. „Der Import von Wildtieren nach Europa - Einfuhren von der frühen Neuzeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts“. In Tiere unterwegs. Historisches und Aktuelles über Tiererwerb und Tiertransporte, herausgegeben von Helmut Pechlaner, Dagmar Schratter, und Gerhard Heindl, 3:1–64. Tiergarten Schönbrunn - Geschichte. Wien: Braumüller. ↩︎
Dittrich. 2002: 332. ↩︎
Heck, Ludwig. 1938. Heiter-ernste Lebensbeichte. Erinnerungen eines alten Tiergärtners. Berlin: Deutscher Verlag: 123ff. ↩︎
Vgl. unter anderem Gissibl, Bernhard. The nature of German imperialism: conservation and the politics of wildlife in colonial East Africa. The environment in history : international perspectives, Volume 9. New York: Berghahn Books, 2016; Domínguez, Lara, und Colin Luoma. „Decolonising Conservation Policy: How Colonial Land and Conservation Ideologies Persist and Perpetuate Indigenous Injustices at the Expense of the Environment“. Land 9, Nr. 3 (2020). https://doi.org/10.3390/land9030065; Prendergast, David. „Colonial wildlife conservation and the origins of the Society for the Preservation of the Wild Fauna of the Empire (1903–1914)“. Oryx 37 (1. April 2003): 251–60. https://doi.org/10.1017/S0030605303000425; MacKenzie, John M. The Empire of Nature: Hunting, Conservation, and British Imperialism. Studies in Imperialism. Manchester, UK New York New York: Distributed exclusively in the USA by St. Martin’s Press, 1997; Thompsell, Angela. Hunting Africa: British Sport, African Knowledge and the Nature of Empire, 2015. ↩︎
Schillings, Carl Georg: Mit Blitzlicht und Büchse; Leipzig 1905, S. 186ff. ↩︎
Hanson, Elizabeth. Animal attractions: nature on display in American zoos. Princeton, N.J: Princeton University Press, 2002: 71, 73. ↩︎
Ames, Eric. Carl Hagenbeck’s Empire of Entertainments. A McLellan Book. Seattle: University of Washington Press, 2008: 27. ↩︎
Ames, 2008: 28-29. ↩︎
Vennen, Mareike. „Arbeitsbilder - Bilderarbeit. Die Herstellung und Zirkulation von Fotografien der Tendaguru-Expedition“. In Dinosaurierfragmente. Zur Geschichte der Tendaguru-Expedition und ihrer Objekte - 1906-2018, von Ina Heumann, Holger Stoecker, Marco Tamborini, und Mareike Vennen, 56–75. Göttingen: Wallstein, 2018, insbesondere 64. ↩︎
Eipper, Paul. Freund aller Tiere. Ein Fahrtenbuch voll bunter Abenteuer. Berlin: Ullstein, 1937: 94-95. ↩︎
Kawata, Ken. „Zoo Animal Feeding: A Natural History Viewpoint“. Der Zoologische Garten. Neue Folge 78 (2008): 17–42. ↩︎
Vgl. Hanson, Elizabeth. Animal attractions: nature on display in American zoos. Princeton, N.J: Princeton University Press, 2002: 100-130; Bridges, William. Zoo expeditions. William Morrow, 1945. ↩︎
Maier-Wolthausen, Clemens. Hauptstadt der Tiere. Die Geschichte des ältesten deutschen Zoos. Herausgegeben von Andreas Knieriem. Berlin: Ch. Links Verlag, 2019: 83, 121-122. ↩︎
Vgl. Dittrich. 2007. ↩︎
Heinroth, Katharina. Mit Faltern begann’s. Mein Leben mit Tieren in Breslau, München und Berlin. München: Kindler, 1979: 203-212. ↩︎
Klös, Heinz-Georg. Freundschaft mit Tieren: der Altdirektor des Zoologischen Gartens Berlin erzählt. Berlin: Edition Q, 1997: 167-178. ↩︎
Vgl. Grzimek, Bernhard: Flug ins Schimpansenland. Reise durch ein Stück Afrika von heute; Stuttgart 1955. ↩︎
Durchschrift Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der DDR an Solidaritätsausschuss für Korea und Vietnam, 12.10.1956, dieses und die gesamte Korrespondenz zu dem Vorgang mit dem MfAA in: Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes (PA AA), M 01/A 8367. ↩︎
Botschaft der DDR in Hanoi: Aktenvermerk, 19.03.1957, PA AA, M 01/A 8367. ↩︎
Korrespondenz B. Grzimek und Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft u. a., Protokoll der VDZ-Tagung 1962 in: ATGS, Nachlass W. Fiedler, Ordner VDZ + WAZA, Nr.1. ↩︎
Robbins, C. T. Wildlife Feeding and Nutrition, New York, 1983 zitiert nach Kawata, 2008: 23. ↩︎